Rede vom Mittwoch, 23. Mai 2012
zum Antrag der CDU-Fraktion:

Frühkindliche Sprachförderung in Hamburg – Früher anfangen und alltagsorientierter lernen

Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren!

Wir sind uns einig, frühkindliche Erziehung und Bildung hat einen wesentlichen Einfluss auf den Lebensweg der Kinder. Gerade dazu haben wir wichtige Entscheidungen getroffen, auch in dieser Legislaturperiode. Ab 2014 gibt es einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Kita ab dem zweiten Lebensjahr für fünf Stunden. Es geht uns darum, bessere Bildungschancen für alle Kinder zu schaffen, egal, woher sie kommen.

Wir setzen durch diese Erweiterung des Rechtsanspruchs auf mehr Integration und die sprachliche Entwicklung aller Kinder. Dazu werden wir die Kitas in den KESS-1- und KESS-2-Gebieten personell verstärken, damit wird auch die Sprachförderung unterstützt. Das sind sicherlich mehr Maßnahmen zur Chancengerechtigkeit im frühkindlichen vorschulischen Bereich als das, was wir in den letzten Jahren erlebt haben.

(Beifall bei der SPD)

Nun zu Ihrem Antrag im Einzelnen: Wir können uns zunächst einmal anschauen, wie es jetzt gemacht wird. Das haben Sie eben kurz erläutert, ich möchte es ergänzen. Schon jetzt erproben Kitas und Schulen gemeinsame Bögen, die in Absprache mit den Eltern auch weitergegeben werden. In den Schulen findet dann das Entwicklungsgespräch statt und es wird ein Sprachförderbedarf festgestellt. Bei einem besonderen Förderbedarf ist der Besuch der Vorschule oder einer additiven Maßnahme verpflichtend vorgesehen und hier haben wir – das haben Sie richtig dargestellt – besondere Probleme dann, wenn Kinder noch nicht in irgendwelche Angebote eingebunden sind.

Sie stellen jetzt interessante Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der frühkindlichen Sprachförderung vor, und zwar zum einen, indem wir den Sprachstand im dritten Lebensjahr testen. Dazu stellen sich mir einige Fragen, die zum einen technischer, aber auch inhaltlicher Natur sind. Wie können wir diese Sprachförderung organisieren? Dürfen denn die privaten Träger Zugriff auf die Daten des Einwohnermeldeamts haben? Wollen wir das Schülerregister den privaten Trägern öffnen? Was machen wir eigentlich in den Fällen, in denen die Kinder nicht erscheinen? Zurzeit ist dafür die Schule zuständig, macht das dann der private Träger? Wer macht die Hausbesuche? Ein großes Problem stellt sich besonders an einer Stelle: Was machen wir mit den Kindern, die noch in keiner Einrichtung sind? Übernehmen dann die großen Kitas die Überprüfung? Was ist mit Kindern, die von Tagesmüttern betreut werden? Welche Rolle kann die Eltern-Kind-Zeit dann spielen? Was können wir mit den Förderzentren in den Bezirken anstellen?

(Dr. Andreas Dressel SPD: Fragen über Fragen! – Roland Heintze CDU: Welche Farbe bekommen die Zimmer?)

– Nein, es geht darum, dass das klappt. Ich habe es mir durchgelesen und sorgfältig überlegt, was passieren könnte

Eine ganz wichtige Frage ist, was in diesem Zusammenhang in den Vorschulen passiert. Im Moment kann ich noch nicht erkennen, wie wir es vermeiden können, zwei Systeme gegeneinander auszuspielen. Das wollen wir nicht, wir wollen den Eltern die Wahlfreiheit lassen.

Sie haben inhaltlich etwas zur additiven und zur integrierten Sprachförderung gesagt und erwähnt, wie weit die Wissenschaft da schon ist. Tatsächlich sind die Wissenschaftler sich nicht in allen Bereichen vollständig einig. Auf jeden Fall müssen wir – egal, wie wir das organisieren – sehen, dass bei der Qualitätsüberprüfung der Kitas in der jeweiligen Einrichtung vor allem die Sprachförderung interessant ist.

Das war eben sehr versöhnlich, aber eine Sache wundert mich tatsächlich. Auf der einen Seite sagen Sie im Bund, wir belohnen die Eltern, die ihre Kinder zu Hause lassen. Auf der anderen Seite stellen Sie hier dar, wie wichtig es ist, die Kinder in Institutionen zu schicken. Irgendwie passt das nicht zusammen, Herr de Vries.

(Beifall bei der SPD)

Um es zusammenzufassen: Inhaltlich sehe ich das als eine interessante Idee. Ich habe eine Menge Fragen dazu, wie wir das weiterentwickeln können. Ich überweise das gerne an den Ausschuss und dann machen wir weiter. – Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)

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